Deutscher Gewerkschaftsbund

Teilzeit

Um Erwerbsarbeit und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen, ist meist die Arbeitzeitverkürzung das Mittel der Wahl.  Das gilt nicht nur für die Mütter - auch Väter wünschen sich während der Elternzeitphase oft mehr Zeit für das Kind. Mit einer befristeten Arbeitszeitverkürzung können die Arbeitszeiten so stärker und flexibler an die „Wechselfälle des Lebens“ angepasst werden.

Schild mit Aufschrift women at work

flammenhans / photocase.com

Die Reduzierung der Arbeitszeit ist das Hauptinstrument um Erwerbsarbeit und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen. Auch Väter haben ein großes Teilzeitbedürfnis während und nach der Elternzeitphase.
Eine befristete Arbeitszeitverkürzung stellt somit eine wichtige Maßnahme dar, mehr Flexibilität im Verlauf der Erwerbsbiographie zu erreichen und die Arbeitszeiten stärker an die „Wechselfälle des Lebens“ anzupassen. Neben Mitspracherechten bei der Teilzeit spielt eine „kurze Vollzeit“ zwischen 30 und 35 Stunden pro Woche eine Schlüsselrolle für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Für die Ausgestaltung von Teilzeit ist es dabei wichtig, dass Beschäftigte möglichst viele Mitspracherechte (volle Optionalität) besitzen und Teilzeitbeschäftigte nicht diskriminiert werden. Auch ein angepasster Einstieg nach Elternzeit (oder Familienzeit, Pflegezeit, Freistellung) lässt sich über Teilzeit gut realisieren.
Teilzeit sollte weiter in Form von abgesicherten Unterbrechungen für Fürsorgeaufgaben und Kurzzeitfreistellungen angeboten werden. Mit der Möglichkeit der Rückkehr von Teilzeit auf Vollzeit können individuelle Optionen ausgeschöpft werden, um die Balance zwischen Arbeit und Leben herzustellen.

Für eine gerechtere Arbeitsteilung der Geschlechter könnte die Teilzeit zwischen 30 und 35 Stunden pro Woche als neuer Arbeitszeitstandard fungieren, der Fürsorgepflichten und Familienarbeit der Erwerbstätigen besser anerkennt als der derzeitige Vollzeiterwerbsstandard. Darüber hinaus kommt die „kurze Vollzeit“ den Arbeitszeitwünschen der meisten Menschen entgegen und könnte eine ausgewogenere Work-Life-Balance ermöglichen.

Die Inanspruchnahme von Teilzeit während der Elternzeit durch Väter zeigt ein beachtliches Teilzeitpotenzial bei Männern: Knapp ein Viertel der Väter arbeiten in ihrer Elternzeitphase in Teilzeit und 19 % reduzieren ihre Arbeitszeit auch im Anschluss an die Elternzeit (Pfahl, Reuyß 2009). Das stimmt hoffnungsvoll, denn die Elterngeldphase könnte sich so als Initialzündung für eine stärker familienorientierte Arbeitszeitgestaltung von Vätern erweisen.

Untersuchungen zu Teilzeit und Elternzeit in Führungspositionen zeigen eine geringe Akzeptanz bei Beschäftigten in Führungspositionen. Berufliche Aufstiege aus Teilzeitjobs sind kaum möglich und eine Arbeitszeitkultur, in der Führungskräfte uneingeschränkt verfügbar und für Mitarbeiter/innen ansprechbar sein sollen, trägt dazu bei, dass Leitungspositionen fast nie als Teilzeitstelle ausgeschrieben werden. Kreative Lösungen, wie die zeitliche und inhaltliche Teilung von Arbeitsplätzen, Stellvertreterregelungen oder flexible Erreichbarkeit von Vorgesetzten, werden praktisch kaum in Betracht gezogen (Böckler Impuls 2/2009).

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz bietet die rechtliche Grundlage um die Arbeitszeit zu verkürzen. Allerdings fehlt der gesetzliche Anspruch von einer Teilzeitstelle wieder auf eine Vollzeitstelle zurückzukehren. Auch ist das Pendeln zwischen Vollzeit und Teilzeit in der betrieblichen Praxis weit seltener verbreitet, als der Wechsel zwischen Teilzeit und Phasen der Nichterwerbsarbeit (Klammer 2008).

 

Nach oben

Unser Newsletter

Unser aktueller Newsletter (April 2017) ist hier einzusehen. Viermal im Jahr informieren wir damit über aktuelle Studien, Artikel, Aktionen und Neuigkeiten aus dem Bereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

GEFÖRDERT DURCH

Weitere DGB-Projekte