Deutscher Gewerkschaftsbund

Lebenslauforientierte Arbeitszeiten

Die Erwerbsbiographie mit der klassischen „männlichen“ Dreiteilung in Ausbildung, Beruf und Ruhestand wird immer seltener. Individuelle Zeitarrangements werden immer komplexer. Vor allem in der mittleren Lebensphase – der „rush hour of life“. Dann kommt zu Karriere und Kindern oft auch die Pflege der eigenen Eltern. Mit diesen Anforderungen ändert sich auch die Perspektive der Beschäftigten auf ihre Arbeitszeiten.

Großmutter mit Enkelin

DGB

Die normale Erwerbsbiographie mit der klassischen „männlichen“ Dreiteilung in Schule/Ausbildung, Beruf/Karriere und Ruhestand wird immer seltener. Individuelle Zeitarrangements werden immer komplexer und vor allem in der mittleren Lebensphase („rush-hour-of-life“) zum Teil sehr anspruchsvoll, wenn Karriere, Kinder und mögliche Pflege der eigenen Eltern zusammenfallen. Diese wechselhaften, unstetigen und flexiblen Anforderungen im Lebensverlauf der Beschäftigten führen zu einer Perspektivenverschiebung hin zur lebenslauforientierten Betrachtung der Arbeitszeiten.

Lebenslauforientierte Arbeitszeiten ermöglichen eine dynamische Anpassung an die biographischen Erfordernisse der Menschen – bezogen auf die gesamte Erwerbsbiographie (chronologische Ebene). Hierzu zählen:

  • zeitlich befristete Verkürzungen der individuellen Arbeitszeit,
  • Teilzeitarbeit, 
  • Elternzeit, 
  • Sabbaticals und 
  • Langzeitkonten.

Während europaweit in jedem zweiten Betrieb Maßnahmen einer lebenslauforientierten Arbeitszeitgestaltung implementiert sind (z. B. Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit, Sabbaticals, Wechsel innerhalb von Schichten), befindet sich Deutschland (nur noch vor Slowenien, Griechenland und Ungarn) am Ende des EU-15 Vergleichs. Hier zeigt sich, „dass in Deutschland eine erhebliche Diskrepanz zwischen Programmatik und praktischer Ausgestaltung von Work-Life-Balance-Maßnahmen oder familienfreundlichen Instrumenten besteht. Deutsche Arbeitszeiten zeigen sich als am starrsten und rigidesten.“ (Kümmerling 2010: 233).

In der gewerkschaftlichen Arbeitszeitpolitik werden lebenslauforientierte Arbeitszeiten stark diskutiert und als zukünftige Handlungsfelder benannt und in Tarifverhandlungen miteinbezogen (z. B. ver.di, IG Metall, IG BCE); ihre praktische Relevanz hält sich bisher noch in Grenzen.

Für die betriebliche Zeitpolitik bedeuten dynamische Arbeitszeiten, dass langfristige Arbeitszeitregelungen an Bedeutung gewinnen und im Interesse der Beschäftigten sind. Wichtig sind Möglichkeiten von längeren Zeitblöcken, die von den Beschäftigten zur eigenen Verfügung genutzt werden können.
Langzeitkonten können als erste Schritte in Richtung einer lebenslauforientierten Arbeitszeit gesehen werden (Wagner 2010). Sie sind allerdings dann kontraproduktiv, wenn sie vorwiegend zum Ansparen für den vorzeitigen Ruhestand gebraucht werden. Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Mitte des Erwerbslebens wären dagegen temporäre Freistellungen bzw. Arbeitszeitreduzierungen oder individuelle Wechsel zwischen Vollzeit und Teilzeit geeignete Maßnahmen.

Um den Zugang zu lebenslauforientierten Arbeitszeiten möglichst allen Beschäftigtengruppen zugänglich zu machen, ist eine Flankierung durch den Sozialstaat notwendig.

Unsere Broschüre "Lebensphasenorientierte Arbeitszeiten" hat sich zum Ziel gesetzt, für das dieses Thema zu sensibilisieren und durch Informationen, Handlungsempfehlungen sowie Beispiele guter Praxis zu deren Verbreitung beizutragen.

Sie können die Broschüre hier herunterladen oder beim DGB-Bestellservice bestellen.

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